Kö Y Snoopy – Baubericht, Robert Berg
Vorgeschichte
Schon länger spielte ich mit dem Gedanken, den Kö Y Snoopy nachzubauen, einfach weil ich das Modell bisher nur von Bildern kannte und es eben ein Kö ist. Mein Plan war von Anfang an: kompletter Eigenbau, kein Baukasten. Solange Teile noch erhältlich oder einfach selbst herzustellen sind, sollten Baukästen meiner Meinung nach als Zeitzeugen erhalten bleiben. Gerade beim Kö Y sind die Kits selten.
Mit der Zeit hatte ich mir also fast alle Bauteile zusammengesucht.
Dann tauchte auf Ricardo ein schöner Baukasten auf. Thomas Fessler und ich vereinbarten, dass ich ihn ersteigere und wir danach entscheiden, was wir damit machen. Fast gleichzeitig bekam Beat Jäggi ebenfalls einen sehr schönen Bausatz geschenkt. Also trafen wir uns Ende August 2025 bei Thomas und schauten uns die drei Kästen gemeinsam an.
Es stellte sich heraus, dass zwei Kästen aus derselben Serie stammten, während der von Beat offenbar aus einer späteren Serie war, das Bild auf seinem Karton unterschied sich von den anderen beiden.
Unser Ziel war, für Thomas einen möglichst perfekten Sammler-Bausatz zusammenzustellen. Beim Durchsehen fiel auf, dass selbst original nicht alles perfekt war, bei den zwei älteren Kästen fehlten je zwei Balsabretter für die Flügelbeplankung. Also wurde munter getauscht, bis ein wirklich schöner Komplettsatz entstand.
Der „Rest“ blieb bei mir – und genau daraus entstand die Idee: Dann baue ich den Kö eben doch aus diesem unvollständigen Kit. Anfang Oktober 2025 begann ich mit dem Bau.

Die Balsabrettchen sind tatsächlich alt.
Gedanken zum Modell
Ein genaues Erscheinungsjahr konnte ich nicht finden, ich vermute späte 1960er- oder ganz frühen 1970er-Jahren. Vom Konzept her erinnert der Kö Y stark an Modelle wie den WiK Echo von 1965 oder den Standard-Airfish von 1967.
Alle drei Modelle haben massive Balsarümpfe und balsabeplankte Flügel mit einem unten geschlossenen Jedelsky-Profil. Der allseits bekannte Standard-Airfish mit dem unten offenen Jedelsky-Profil erschien erst 1973 oder 1974.
Die Masse vom Kö Y sind: Spannweite ca. 232 cm, Rumpflänge über alles ca. 127 cm. Die gesamte Bauweise des Kö Y ist massiv: Überall finden sich Verstärkungen aus Kiefer, dicke Balsateile, ein richtiger „Balsabomber“, gebaut aus Bohlen statt aus Brettchen. Nicht ganz so massiv, aber ähnlich aufgebaut ist der Wolfi von Rödel, der etwa 1976 erschienen sein soll.
Nach meinen eher unschönen Erfahrungen mit grossen Zweiachsern (RIP Cygnus) habe ich mich entschieden, dem Kö anstelle der im Plan optional vorgesehenen Bremsklappen, Querruder einzubauen. Warum das damals nicht gleich als Option angeboten wurde, erscheint mir heute unerklärlich, Servos braucht es ja für beide Varianten.
Baubericht
Seitenleitwerk
Der Abschlussholm des Seitenleitwerks besteht aus einem 6×6 mm Kieferstab. In diesen sollten die Schlitze bzw. Löcher für die Ruderscharniere eingearbeitet werden. Das exakt hinzubekommen erschien mir schwierig. Deshalb schnitt ich mir zwei Kieferleisten (3×6 mm) und feilte in beide leichte Vertiefungen für die Scharniere. Nach dem Zusammenkleben ergibt sich so ein sauberer, symmetrischer Schlitz.
Das Seitenleitwerk ist im Plan sehr dick ausgeführt: 6 mm Kieferholm mit entsprechendem Balsabrett in der Mitte, beidseitig beplankt mit 5 mm Balsa – ohne Erleichterungslöcher. Da im Baukasten die Teile für die Seitenbeplankung fehlten, schnitt ich mir beide Teile aus 3 mm Balsa. So wird das SLW jetzt 12 mm statt 16 mm dick. Beim unteren Teil der Beplankung legte ich die Maserung quer statt längs.
Rumpf
Beim Rumpf handelt es sich um eine massive, einfache Kastenkonstruktion mit einigen Spanten. Die Seitenwände bestehen aus 5 mm Balsa. Zusammen mit den im vorderen Bereich eingelassenen Kieferleisten liessen sich die Seitenwände kaum in die Rundung der Nase zwingen. Deshalb habe ich die Teile gewässert und entsprechend der Rundung eingespannt trocknen lassen.
Im Plan scheint ein Fehler bei der Rumpfnase zu sein: Laut Zeichnung müsste das Bodenbrett im Bereich des Kopfspants auf null verschliffen werden, das kann so nicht stimmen. Ich habe deshalb den Bereich zwischen den vordersten Spanten mit 5 mm Balsa aufgedoppelt und die Maserung quergelegt.
Am meisten Sorgen bereitete mir die doppelte Flügelsteckung. Alles parallel auszurichten und fluchtend zu verkleben war eine echte Herausforderung. Schliesslich wollte ich keine klemmende oder schiefe Steckung. Mit Lehren, Kreuzlaser und x-fachem Nachmessen ist es mir dann aber ganz gut gelungen.

Die Spanten, vor allem die mit den Flügelsteckungen sind ausgerichtet und verklebt.

Mit Nagelschablone, Keilen und Schraubzwingen werden die Seitenwände in Form gezwungen.

Fertiger Rumpf
Höhenleitwerk
Hier gibt es nicht viel zu sagen: Es handelt sich um eine beplankte Leistenkonstruktion, Profil ebene Platte. Das Höhenruder wird in einen Schlitz unter dem Seitenleitwerk geschoben und auf dem Rumpf mit einer dicken Nylon-Schraube befestigt.
Auffallend ist der Dickensprung von 9 mm bei der Dämpfungsfläche auf 5 mm beim Höhenruder. Dieser Unterschied lässt sich konstruktionsbedingt nicht vollständig wegschleifen.
Flügel
Der Flügel wird auf der unteren Beplankung aufgebaut. Steckung, Rippen und Kiefer-Endleiste werden aufgeklebt. Dabei ist zu beachten, dass das Aussenteil gemäss der vorgesehenen Schränkung unterlegt wird. Danach wird das Profilbrett der Nase auf die Rippen geklebt.

Flügel vor dem Anbringen der oberen Beplankung.
Eines dieser Profil-Bretter war in meinem Bausatz völlig krumm und liess sich weder durch Wässern noch durch Hitze richten. Ich ersetzte es durch eines aus meinem Fundus, das allerdings etwas zu kurz war – ich verlängerte es mit einem brauchbaren Stück aus dem krummen Teil.
Zum Schluss wird die obere Beplankung aufgebracht.
Die Konstruktion eignet sich ideal für Streifenquerruder. Im Aussenflügel habe ich dazu vor die Endleiste eine zweite Leiste eingeklebt und dünne Stecknadeln als Abstandshalter verwendet. Am fertigen Flügel schnitt ich die Querruder entlang dieser Fuge heraus. So entstanden relativ kleine Querruder. Die Ruder sollen nur wenig nach unten ausschlagen, dafür nach oben als Bremse bis fast 90°.
Die Randbögen sind als Tiplets ausgeführt. Dafür lagen massive Balsablöcke im Bausatz, die freihändig in Form gebracht werden mussten. Schnitzen, raspeln, schleifen war angesagt. Ich habe mich lange davor gedrückt, aber am Ende ging es besser als erwartet, und ich bin mit dem Resultat zufrieden.
Lackierung
Von der Renovierung meines Bauermann PB50 hatte ich noch genügend Schellack übrig. Der warme Ton und der schöne Glanz gefielen mir, daher entschied ich mich, den Kö damit zu lackieren. Der Schellack hat eine starke braun-goldgelbe Eigenfarbe.
Obwohl ich mein Leben lang mit Lacken gearbeitet habe, bin ich hier in eine Falle getappt: Die Eigenfarbe des Schellacks wirkt wie eine Beize. Das Holz saugt sich voll und nimmt die Färbung an. Nicht saugende Stellen, etwa mit Leim oder Epoxid behandelte Bereiche, bleiben deutlich heller. Das führte zu einem fleckigen Erscheinungsbild, verstärkt durch unterschiedlich verfärbtes Holz aus dem Baukasten.

Das fertige Modell.
Einstellarbeiten
Auf der Schwerpunktwaage zeigte sich die massive Bauweise deutlich: Zusätzlich zum Flugakku benötigt das Modell noch 370 g Ballast, um die Balance zu erreichen. Das ergibt ein Fluggewicht von 1’950 g.
Zum Vergleich: Der PB50 mit fast 40 cm mehr Spannweite wiegt nur 1’250 g, bei etwa gleicher Flügelfläche.
Die EWD beträgt laut Plan ca. 3,5°. Für meinen Flugstil ist das zu viel. Mit einem Unterlegkeil beim Höhenleitwerk reduzierte ich sie auf etwa 2°.
Erstflug
Ende Dezember 2025 war es soweit: Der Erstflug stand an. Und der verlief völlig unspektakulär. Das Modell benötigt einen kräftigen Wurf, was bei dem Gewicht nicht überrascht. Die Fluggeschwindigkeit ist entsprechend höher, der Gleitwinkel aber recht gut.
Für den Erstflug werte ich das als vollen Erfolg. Ort und Wetter liessen nur einen Gleitflug auf der Wiese zu. Korrekturen an Rudern, EWD oder Schwerpunkt schienen nicht notwendig. Immerhin weiss ich jetzt, dass das Modell sauber fliegt.

Nach dem Erstflug. Das Modell ist noch heil.
Weitere Flüge
Mitte März 2026 passten Wetter und Hang endlich perfekt. Ich konnte mehrere Flüge durchführen. Das Modell fliegt besser, als ich erwartet hatte. Die Grundgeschwindigkeit ist deutlich höher als z. B. beim Airfish, die Wendigkeit sehr gut. Kein Wunder: bei der relativ hohen Geschwindigkeit liegt genug Ruderdruck an.

Nach weiteren Flügen. Und fertig beschriftet.
Meine skeptische Haltung gegenüber grossen Zweiachsern hat sich etwas relativiert, auch dank der kleinen Querruder. In Situationen, in denen das Modell störrisch reagiert, geben sie den entscheidenden Impuls. Auch als Bremsen sind sie hilfreich: nicht sehr stark, aber doch gut wirksam.
Korrekturen am Schwerpunkt oder an der EWD waren nicht nötig.
Alles in allem ist der Kö Y kein Thermikschleicher, sein Revier ist der Hang. Das unterscheidet ihn deutlich von vielen ähnlichen Modellen wie dem Airfish oder den Bauermann-Modellen.
März 2026, RB


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