Rüebliländer von Streil, später Hope, Info zum Modell von Arnold Wirz und Anton Meyer/Robert Berg

Dieser Artikel mit Infos zum Rüebliländer besteht aus zwei Teilen. Dem ersten ursprünglichen, der von Arnold Wirz geschrieben wurde. Der zweite Teil besteht aus den Erninnerungen von Anton Meyer, schriftlich festgehalten von Robert Berg. Anton Meyer war Weggefährte von Josef Meyer, dem Konstrukteur des Rüebliländers. Dieser zweite Teil enthält Präzisierungen, Ergänzungen und Korrekturen zum Bericht von Arnold Wirz.

 

Erster Teil, Artikel von Arnold Wirz

Vorgeschichte

Die älteste Information über diesen A2-Segler, welche ich bis heute finden konnte, datiert aus dem Jahre 1955 und ist vermutlich das Jahr des Erstflugs vom Prototyp. Bis Josef Meyer von der MG Villmergen sein Modell fertig entwickelt hatte und es den Streils zum Nachbau anbot, dürften noch einige Jahre vergangen sein. Im Streil-Katalog von 1958 ist er aber noch nicht aufgeführt, da der Baukasten beim Druck des Katalogs noch nicht verkaufsbereit war. In "Kircherts Antikplanliste" steht, dass das Modell aus dem Jahre 1958 stamme, was die obige Vermutung bestätigt, dass er im späteren Verlauf des Jahres 1958 zum Verkauf kam. Die IG-Albatros schreibt, dass der Rüebliländer den Jahrgang 1965 habe. Das liegt wohl daran, dass dieses Archiv unter Jahrgang nicht zwingend das Erstausgabejahr des Modells meint, sondern das Datums jenes Plans, der dem Archiv zur Verfügung steht. Nachtrag IGA 8.2025: Im Mai 1963 erschien der 'Nachtrag 1 zum CES-Katalog Nr. 5'. In diesem Nachtrag wird der Rüebliländer als 'Neuheit' aufgeführt. Im Katalog Nr. 4 ist das Modell noch nicht enthalten.

RueblilaenderHier sieht man jenes Foto des Rüebliländers, welche Willy Streil ab 1958 auf den CES-Schnellbaukästen ganz links aufdrucken liess. © Arnold Wirz (Anmerkung IGA, 2.2026: das abgebildete Modell kam erst 1963 in den Handel)

Ich selber habe den Rüebliländer im Katalog von 1960 erstmals bewusst gesehen, bin mir aber nicht sicher, ob meine Annahme stimmt, dass es ein 1960er Katalog war. Ich bekam ihn von den Streils um 1961. Der Name Rüebliländer lässt auch sehr stark vermuten, dass der Konstrukteur ihn gewählt hat, weil er entweder im Rüebliland wohnte oder von dort stammte.

Mit dem Rüebliland ist heute ganz allgemein der Kanton Aargau gemeint. Wer kennt nicht die berühmte Rüeblitorte aus diesem Kanton? Das "Kulinarische Erbe der Schweiz" schreibt dazu wörtlich: "Die Rübelitorte wird zwar in der gesamten Schweiz, insbesondere in der Deutschschweiz hergestellt und konsumiert, wird aber vom Ursprung her dem Kanton Aargau zugeordnet, der scherzhaft auch Rüebliland genannt wird. Die Bezeichnung Rüebliland ist vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Möglicherweise ist es eine Ableitung von "Rübenland", einer Bezeichnung für den Berner Aargau, der ein klassisches Rübenanbaugebiet ist." Andererseits habe ich etliche Jahre in Muri AG gewohnt, das im Bünztal liegt und ich entsinne mich, dass ich in den 1980er Jahren in der Gegend um Wohlen viele Rüebliäcker sah, wenn ich mit meinem Velo durch die Gegend fuhr. In Wohlen gibt es eine Bäckerei, die sich Rüebliland-Beck nennt und auch Filialen in Villmergen und Wildegg unterhält. Und ich habe selten so viel Rüeblitorten gegessen, wie in dieser Zeit. Da auch der Konstrukteur Josef Meyer von Villmergen stammt, hat er seinen Segler somit nach seiner eigenen Gegend benannt. Damit wäre zumindest die Bedeutung des Namens des A2-Seglers geklärt.

Bausatz RueblilaenderDas Bild zeigt den perfekt erhaltenen CES-Schnellbaukasten des Stefan Hungerbühlers aus dem letzten Jahrhundert. Der Rüebliländer wurde noch bis nach 1977 verkauft. Noch später auch bei HOPE. Die rosa Seidenpapierrolle in diesem Bausatz weist auf die Zeit der 1970er Jahre hin. © Stefan Hungerbühler

Zum Konstrukteur Josef Meyer des Flugmodells aus den 1950er Jahren ist mir bis jetzt dank des Baubeschriebs immerhin bekannt, dass er Mitglied bei der Modellfluggruppe Villmergen war. Da die Konstruktion aus einer Zeit lange vor der Einführung des Internets stammt, findet sich unter Google nichts, weder über das Modell noch über den Erbauer. Ausgenommen sind natürlich meine eigenen Beiträge, die Google selbstverständlich kennt. Ich werde versuchen, über die MFG Villmergen noch mehr zu erfahren. Dem Internet konnte ich inzwischen indirekt entnehmen, dass die MFG Villmergen in der MFG Wohlen aufgegangen ist.

 

Weitere Einzelfunde an etwas versteckter Stelle:

Nach längerem Suchen fand sich dann noch einen Bericht über das 40. Jubiläum des Modellfluggruppe Thal SG (bei Altenrhein), wo berichtet wird, dass ein Hans-Jakob Bärlocher um 1970 herum einen zum RC-Segler umgebauten 'Rüebliländer' flog. Hans-Jakob Bärlocher hat mir erlaubt, das Foto von ihm und seinem Modell hier zu zeigen. Ganz herzlichen Dank!

RueblilaenderHier sieht man den auf RC-Steuerung und V-Leitwerk umgebauten Rüebliländer von Hans-Jakob Bärlocher. Am Boden stehend sieht man seine Fernsteuerung. Im Bericht der MFG Thal steht, dass es sich um einen getunten Rüebliländer handelt. © Hans-Jakob Bärlocher

Noch etwas früher berichtet der gleiche Verein folgendes: "1966: Otto Lei sen. baut im 2. Baukurs den Wettbewerbssegler 'Rüebliländer'." Das heisst, dass 1966 bei der Modellfluggruppe Thal ganz offensichtlich gleich mehrere Rüebliländer gebaut wurden.

Im Weiteren hat mich Modellflugfotograf Hermann Mettler darauf aufmerksam gemacht, dass Urs Leodolter in seinem privaten Modellflugmuseum noch einen Schnellbaukasten besitzt. Glücklicherweise, muss ich sagen, denn in meinem kürzlich erworbenen ersten Baukasten fehlte der Baubeschrieb. Urs Leodolter hat mir mit einer Kopie ausgeholfen. Auch hier ganz herzlichen Dank!

In einer weiteren Fundstelle, dem Antik-Bauplanarchiv von Walter Wolf, wird für den Bauplan und den Baubeschrieb das Jahr 1964 genannt. Damit liegen nun drei verschiedene Jahre für die Erstausgabe vor. Vermutlich haben die Streils den Bauplan und den Baubeschrieb 1964 nochmals neu aufgelegt und das Archiv besitzt nun eben das Original von 1964 und nicht jenes der allerersten Auflage.

In Kircherts Antikplanliste ist er mit Jahrgang 1958 aufgeführt, was vermutlich das Jahr war, in welchem die Streils den Rüebliländer erstmals anboten.

Um 1967 herum kostete der Bausatz Fr. 24.50, so steht es im Streil-Katalog Nr. 7.

 

Der Kauf meines ersten Rüebliländers

An den Rüebliländer kann ich mich zurück bis ins Jahr 1960 erinnern, als ich als Sekundarschüler bei Christel und Willy Streil den Katalog des Jahrgangs 1960 bei einem Kauf von ihnen geschenkt bekam (!). Wie genial von den Streils! Stundenlang habe ich darin herumgeblättert und vor allem die Flugmodelle und die Motoren studiert. Dort stiess ich dann erstmals auf den Rüebliländer, der mir vor allem wegen dem auffälligen Namen in Erinnerung blieb. Das Modell gefiel mir sehr gut und ich hätte es gerne gekauft, doch fehlte mir damals das Geld und wohl auch etwas der Mut, so ein Flugmodell im Alleingang zu bauen, wo ich doch vom Bau eines solchen Modells noch gar nichts verstand, obwohl ich schon 17 Jahre alt war. Im Hinterkopf blieb das Modell aber bis heute haften und gehörte in den letzten Jahren zu jenen inzwischen historischen Modellen, von denen ich gerne ein Exemplar in meiner Sammlung gehabt hätte.

Nun hat sich mit einem Angebot eines Ricardo-Kunden die einmalige Gelegenheit ergeben, einen noch vollständig und bestens erhaltenen Rüebliländer-Schnellbaukasten zu erwerben, sodass die langjährige Suche ein Ende hat. Foto des Schnellbaukastens siehe oben.

 

Mein zweiter Rüebliländer

Hans Toniolo schenkte mit zuhanden meiner Sammlung antiker Segelflugmodelle einen zu 60% vollendeten Rübeliländer. Er konnte diesen vor Jahren einmal erwerben und hat ihn über die Zeit gerettet. Dieser ist sehr sauber aufgebaut. Eine der beiden Flügelohren war abgebrochen, doch konnte ich ohne viel Aufwand eine Reparatur vornehmen. Der Baukasten trägt die Jahreszahl 1972 und enthält im Gegensatz zum oberen Baukasten eine Baubeschreibung zum Bau der RC-Version mit Kastenrumpf. Die RC-Version kam gemäss CES-Kurier Nr. 54 vom Dezember 1972 tatsächlich in diesem Jahr auf den Markt und galt als RC-Nachfolger des vormaligen A2-Seglers. Es hat in dieser Ausgabe einen Kurzbericht von Josef Meyer. Der frühere Besitzer und Erbauer dieses Modells ist mir namentlich nicht bekannt, doch aufgrund der Bauausführung erkenne ich ganz klar gewisse Ähnlichkeiten zu meinen Modellen Libelle, Moeve und Bye-Bye, d. h., dass alle vier Modelle vom gleichen Modellbauer gebaut wurden. So zumindest meine Vermutung.

Der Kastenrumpf erscheint auf den dem Bauplan beigelegten Fotokopien aber sehr klobig. Nach dem Studium des Bauplans war aber rasch klar: Für die Fotos hat man kein originales Modell benützt, sondern nur Attrappen. Glücklicherweise hat sich der frühere Eigentümer dieses Baukastens entschieden, den Rumpf der Freiflug-Version zu bauen, welcher mir als Modell sympathischer ist, da ich kein begnadeter RC-Flieger bin.

 

Bau des Modells

Ich bin grenzenlos begeistert und werde den einen noch 2015 vollenden und das zweite Modell dann 2016 und später beide auch im Fluge testen. Die Kartonschachtel des Originalbaukasten werde ich natürlich aufbewahren. Viele Rüebliländer wird es vermutlich nicht mehr geben und ein flugfähiger Rüebliländer noch weniger, am ehesten bei Hansruedi Zeller von Thal SG. Umso erfreulicher wird es dereinst sein, gleich über zwei Modelle zu verfügen. Das eine wird in hellblau und das andere in gelb gehalten. Beide werden mit Japanseide bespannt.

RueblilanderDas erste der beiden Modelle ist im Rohbau fast vollendet. Noch fehlen die Flügelmontage und das Seitenleitwerk. © Arnold Wirz

 

RueblilanderDer zweite Rüebliländer ist nun ebenfalls im Rohbau fertiggestellt und feingeschliffen. Er bekommt als nächstes eine Bespannung aus Japanseide und ist dann flugbereit zur Erprobung. © Arnold Wirz

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Technische Daten

  • Spannweite: 183 cm
  • Tragfläche: 31.1 dm²
  • Flügelprofil: unbekannt, ähnlich Kö III
  • Rumpflänge: 110 cm
  • Flächenbelastung: ca. 16 g/dm²
  • Gewicht: ca. 500 g
  • Flügeltiefe: 17 cm
  • Konstruktion: Josef Meyer, MG Villmergen

 

Schicksal meiner Rüebliländer

Leider musste ich 2016 aus Alters- und gesundheitlichen Gründen etwas kürzertreten und gleichzeitig wurde meine Mietwohnung verkauft. So verlor ich meine drei grossen Bastelzimmer und musste meine Modellflugzeugsammlung weitergeben, denn am neuen Wohnort hatte ich nur noch ein Bastelzimmer. Die beiden Rüebliländer sind um 2017 in besten Händen bei Dominique Vultier gelandet.

 

Nachtrag IGA, März 2024, Mai 2025

Im Zusammenhang mit den Recherchen zu HOPE faden wir Baukästen, deren Bauanleitung mit einem Hope-Kleber versehen waren. Peter Hochuli gab an, dass er mit der Übernahme diverser Modelle von Streil auch eine gewisse Anzahl Baukästen bekam, unter anderem eben vom Rüebliländer. Dies geschah Ende der 1980er-Jahre. HOPE verkaufte diese Modelle, so dass in den 1990er immer noch Baukästen erhältlich waren.

karteikarte rüebliländer hopeHier sieht man die Karteikarte von HOPE zum Rüebliländer. Wenn wir die Informationen richtig interpretieren, hat HOPE im Jahr 1995 die letzten 100 Bausätze des Modelles beschafft. 2023 schloss HOPE sein Geschäft, so endet hier der Rüebliländer. Ein Nachbau nach Plan ist natürlich immer noch möglich.

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Quellen:

  • Streil-Katalog (fehlt mir noch, enthält weitere Daten)
  • Urs Leodolter (lieferte eine Kopie des Baubeschriebs)
  • Stefan Hungerbühler (verkaufte mir seinen neuwertigen Baukasten)
  • Hans Toniolo (lieferte ein teilw. vorgefertigtes Modell mit Baubeschrieb)
  • eigene Erinnerungen
  • CES-Kurier Nr. 9, 54
  • Peter Hochuli

Letztmals redigiert: 22.8.25

Soweit der Bericht von Arnold Wirz

 

Zweiter Teil, Erinnerungen von Anton Meyer

‘Rüebliländer’, Robert Berg

 

 

Kurz vor den Festtagen, Mitte Dezember 2025, schrieb mir ein Anton Meyer per Mail, dass er Informationen zum Rüebliländer und zu Josef Meyer hätte. Speziell zur Entwicklung des RC-Rüebliländer könnte er noch Fakten beitragen. Wenn ich weitere Auskünfte wünschte, solle ich mit ihm Kontakt aufnehmen. Und ob ich das wollte, sind doch genau solche Informations-Perlen das, was wir hier archivieren und vor dem Vergessen bewahren möchten. So machte ich mit Anton Meyer voller Vorfreude einen Termin für ein Gespräch aus.

 

 

Gespräch mit Anton Meyer am 29.12.2025,

 

Nachfolgende Ausführungen basieren auf den Erinnerungen von Anton Meyer.

 

 

Anton Meyer

 

Seit seiner Schulzeit ist Anton Modellbauer. Er besitzt noch ein Modell vom Ur-‘Rüebliländer’, den er als Schüler in einem Baukurs von Josef Meyer herstellte. Anton berichtet, dass er an der Entwicklung des ‘Rüebliländer’ / ‘RC-Rüebliländer’ Anteil hatte. In seinem Fundus findet sich der zweite der zwei Prototypen vom ‘RC-Rüebliländer’. Anton Meyer war seit der Gründung bis zur Auflösung Mitglied in der Modellfluggruppe Villmergen, er war deren letzter Obmann. So kam ihm die undankbare Aufgabe zu, den Verein in den 1980er-Jahren aufzulösen.

Trotz der Namensgleichheit besteht keine Verwandtschaft zwischen Anton und Josef Meyer. Mehr zu Josef Meyer steht im Menü Akteure Konstrukteure.

 

 

 

Der ‘Spatz’

 

Eine frühe Konstruktion von Josef Meyer ist der 'Spatz'. Anton Meyer baute mehrere Exemplare dieses Modelles. Es handelt sich um einen kleinen Segler. Dieser ist mit 116 cm Spannweite kleiner als der ‘Rüebliländer’, trägt aber in der Konstruktion seine Züge. Hier ein Bild von Antons ‘Spatz’.

 

 

Der ‘Spatz’ kann als Vorgänger vom ‘Rüebliländer’ angesehen werden, es gab ihn vor diesem. Der ‘Spatz’ verfügt über eine ungeteilte Tragfläche. Gern wurde er an den Lostorfer Anfängerwettbewerben eingesetzt. Dieser Wettbewerb wird übrigens auch heute noch ausgerichtet. Wir verfügen im IGA-Archiv über einen Plan vom ‘Spatz 76’ aus dem Oktober 1976. Wo die Unterschiede zum ursprünglichen Modell liegen, ist ohne dessen Plan kaum festzustellen.

Anton Meyer übergab diesen 'Spatz' an das Museum Leodolter, er kann dort besichtigt werden.

 

 

Der ‘Rüebliländer’, 1958

 

Die Entwicklung des ‘Rüebliländers’ begann schon Mitte der 1950er-Jahre in der Modellfluggruppe Wohlen. Der IGA liegt ein Plan aus 1958 vor, der folgenden Vermerk trägt: ‘Rüebliländer, Anfänger-Segelflugmodell 2. Stufe’. Diese Version weist eine Spannweite von 128cm auf, also deutlich kleiner als die allgemein bekannte Version. Der Flügel war ungeteilt. Die Balsateile haben ‘krumme’ Masse, wahrscheinlich auf Zoll statt Meter basierend. Die Verwandtschaft zum ‘Spatz’ ist deutlich, von der Konstruktion her sind Details vorhanden, die beim späteren ‘A2 Rüebliländer’ auch auftauchen.

 

Vielleicht findet sich ja noch ein Plan des ursprünglichen Modelles, der 1. Stufe. Oder war etwa der ‘Spatz’ diese 1. Stufe und der ‘Rüebliländer’ dann die 2.?

Anton ist sich relativ sicher, dass der 1958er-Rüebliländer bei Streil erhältlich war. Das berichtet ja auch Arnold Wirz. In den Unterlagen zu Streil, die uns zur Verfügung stehen, finden wir allerdings keine Spur von diesem Modell. Im nachfolgenden Bild ein Ausschnitt aus dem Plan mit der genauen Bezeichnung.

 

 

 

Und hier der ganze Plan um eine Idee vom Modell zu erhalten.

 

 

Dieser Plan kann über das IGA-Archiv bezogen werden. Arnold Wirz schreibt, dass bei kirchert.at ein Plan vom 'Rüebliländer' erhältlich sei. Den Daten nach zu urteilen, dürfte es sich dabei um diese Version des ‘Rüebliländers’ handeln, nicht um die im Folgenden beschriebene.

 

 

Der ‘A2 Rüebliländer’, 1964

 

Vom allgemein bekannten ‘Rüebliländer’ hat die IGA einen Plan, der 1964 von Josef Meyer gezeichnet wurde. Dieser Plan zeigt das Modell mit 183cm Spannweite. Zur Unterscheidung wurde dieses Modell als ‘A2 Rüebliländer’ bezeichnet. Hier der entsprechende Ausschnitt aus dem Plan.

 

 

Auch dieser Plan ist über das IGA-Planarchiv erhältlich.

 

Dieser ‘A2 Rüebliländer’ wird in einem Streil-Flyer aus dem Mai 1963 als Neuheit vorgestellt. Das dort abgebildete Modell trägt die Immatrikulation ‘VI 2’. Das ist diejenige von Josef Meyer.

 

Der ‘Rüebliländer’ wurde ständig weiterentwickelt. Anton Meyer besitzt eine Variante vom Modell mit verlängertem Leitwerkshebelarm. Inwieweit Änderungen in die Serie eingeflossen sind, ist schwer herauszufinden. Hier ein Bild vom originalen und dem verlängerten Rumpf.

 

 

Wie innovativ Josef Meyer war, zeigt sich auch an der Kurvenauslösung am Modell nach dem Hochstart: Meyer setzte dafür eine Torsionsfeder aus dünnem Stahldraht ein, eine Lösung wie sie heute bei DLG’s gang und gäbe ist. Einige Teile für die Bausätze von Streil fertigte Josef selber und legte sie dem Bausatz bei, z. B. die besagte Feder im Seitenruder oder das dicke Rumpfmittelteil.

 

 

Das Rätsel vom Entstehungsjahr gelöst?

 

Damit entwirrt sich wohl das Rätsel mit den Jahreszahlen: 1958 ist richtig, genau wie 1963 / 1964 auch. Nur sind das zwei verschiedene Modelle. Deshalb konnte der ‘A2 Rüebliländer’ im Mai 1963 als Neuheit bei Streil angepriesen werden.

 

 

‘RC-Rüebliländer’

 

Eine Weiterentwicklung des ‘Rüebliländer’ war der ‘RC-Rüebliländer’. Dieses Modell hat einen anderen Rumpf, einen Kastenrumpf. Schliesslich soll ja die RC-Anlage irgendwo Platz finden. Als Besonderheit möchte ich das Seitenruder erwähnen: das ist laut Plan leicht asymmetrisch angeordnet, um nicht mit dem Rudergestänge für das Höhenruder zu kollidieren.

 

Es gab zwei Prototypen. Der erste diente zu allgemeinen Flugversuchen und war nicht mit RC ausgerüstet, Josef Meyer besass keine Fernsteuerung. Dieser erste Prototyp war wahrscheinlich auch derjenige, der auf der Verpackung von Streil abgebildet ist. August 1972 wurde der ‘RC-Rüebliländer’ bei Streil als Neuheit vorgestellt, um dann im Streil-Katalog 11, Herbst 1972, definitiv aufgeführt zu werden. Es wurde nur der Rumpf als Zusatzbaukasten angeboten, alle anderen Teile blieben gleich.

 

Der zweite Prototyp, der von Anton Meyer, ist mit RC ausgerüstet. Im Zuge der Weiterentwicklung des Modelles erfuhr der zweite Prototyp einige Änderungen, er entspricht nicht mehr ganz dem im Handel erhältlichen. Hier ein Bild von diesem Modell.

 

 

Dieser ‘RC-Rüebliländer’ diente für viele Versuche. Anton besitzt für den Rumpf des zweiten Prototyps verschiedene Flächen: die üblichen mit Ohren, solche mit trapezförmigen Ohren, welche mit mehr Spannweite, Flügel mit V-Form statt der Ohren, andere Profile, usw. Das Flügelmittelteil auf dem Rumpf kann laut Plan abgenommen werden. Für Versuche ist das recht hilfreich, kann man es so leicht gegen ein anderes auswechseln. Dieser Rumpf trägt auch ein deutlich grösseres Seitenleitwerk als der erhältliche Bausatz. Es wäre interessant herauszufinden, wie viele Varianten es gab, welche in den Verkauf kamen, usw. Der Plan kann über das IGA-Archiv bezogen werden.

Anton Meyer übergab dieses Modell an das Museum Leodolter, wo es nun besichtigt werden kann.

 

Soweit die Erinnerungen von Anton Meyer. Sie erhellen und vervollständigen die Geschichte eines bekannten Modelles.

 

 

Quellen: Anton Meyer, div. Ausgaben der Aero-Revue, div. Ausgaben CES-Kuriere

Letztmals redigiert: 8.2.2026, RB