Über den Tellerrand, G. Lüthi und einige seiner Modelle

 

Mit dem Tellerrand meine ich unseren eigenen deutsch-schweizerischen, modellfliegerischen. Und genau über diesen Rand möchte ich einmal hinausblicken, in den Westen und Süden unseres Landes. Ich bin überzeugt, dass auch dort schöne Modelle entworfen und geflogen wurden.

 

Eine Gelegenheit für einen solchen Blick ergab sich überraschend bei einem Besuch bei Thomas Fessler. Er erwähnte beiläufig, er besitze einen Bausatz eines Händlers namens Lüthi aus Neuchâtel, einen ganz besonderen, wie er sagte. Und einen Katalog habe er ebenfalls noch. Natürlich wollte ich sofort einen Blick darauf werfen.

 

Der Katalog stammte von der Firma Cinetoys, G. Lüthi, Neuchâtel. Er dürfte um 1957 entstanden sein und umfasst gut 50 Seiten. Siehe da: nicht nur Streil veröffentlichte in den 1950er-Jahren sorgfältig gemachte Kataloge, es gab auch andere. Zugegeben, der Streil-Katalog war damals schon deutlich umfangreicher, doch der Cinetoys-Katalog punktete dafür mit Zweisprachigkeit. Ich habe ihn eingescannt; er ist nun auf unserer Website einsehbar.

 

Lüthi produzierte zudem eigene Baukästen, ganz liebevoll gestaltet und mit einer auffallenden Liebe zum Detail. Thomas Fessler besitzt gleich drei dieser Raritäten:

 

  • eine Piper Cub „Trainer“
  • einen kleinen, antiken Motorflieger namens Démon Rouge
  • sowie ein kleines Boot, den Katamaran Catami

 

 

Hier ein Foto vom Bausatz der Piper Cub Trainer

 

Den Plan von diesem Kit haben wir jetzt sogar in unserem Archiv.

 

 

Der zweite Baukasten ist der vom Démon Rouge. Die Spannweite soll 115 cm betragen, gedacht für Dieselmotörchen von 2,5 ccm, ein klassischer Freiflieger mit dem Flügel auf einem Pylonen.

 

 

 

 

 

Schon die Verpackung ist bemerkenswert: ein stabiler Karton, sorgfältig mit Schleifen verschlossen. Die vorbereiteten Teile wirken handgefertigt, keinesfalls wie Massenproduktion. Die Räder sind aus dem Vollen gedrechselt.

 

 

 

Der Bauplan ist so stark eingerollt und fragil, dass ich mich nicht traute, ihn zu scannen. Das Risiko einer Beschädigung war mir schlicht zu hoch. Eine Fotografie muss daher genügen – die Masse dürften deswegen nicht exakt stimmen.

 

 

Und schließlich noch der kleine Katamaran Catami, auch er klar ein Stück Handarbeit.

 

 

 

Von Hand gefertigt und gelötet.

 

Leider fehlt in diesem Kit die Bauanleitung, doch das sollte sich mit etwas Geduld und Erfahrung lösen lassen.

 

 

Interessant ist: Keines der drei Modelle findet sich im erwähnten Katalog. Deshalb vermute ich, dass sie bereits einige Jahre vor 1957 entstanden sind.

 

Vielleicht weiss jemand aus unserer Leserschaft mehr über Lüthi. Er muss einen gewissen Bekanntheitsgrad gehabt haben, finden sich doch im Museum Leodolter der gleiche Katalog und ein Plan von der Piper Cub Trainer. Über jede Information über Konstrukteure aus der West- und Südschweiz freue ich mich sehr.

 

 

 

Dez. 25. RB