Benetti, Gino

 

Gino Benetti kam 1942 als Sohn italienischer Einwanderer im zugerischen Baar zur Welt und entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft: die Faszination für technisches Spielzeug und Modellbau. Bereits als kleiner Junge überredete er seine Mutter zum Kauf eines Modelldieselmotors, eines frühen Barbini B.38 aus den Jahren 1952/53. Dieser geschichtsträchtige Motor, der bezüglich Leistung und Gewicht jeden zeitgenössischen Taifun-Motor in den Schatten stellte, befindet sich noch heute in seiner Sammlung. Damals liess Gino die damit angetriebenen Fesselflugmodelle an freien Nachmittagen stolz über den heimischen Schulhof fliegen.

 

Barbini B.38, 1 ccm, ca. 1952/53

 

 

Nach der Schulzeit in Baar absolvierte Benetti eine Lehre als Betriebselektriker in der Spinnerei an der Lorze. Seine berufliche Reise führte ihn durch verschiedene Stationen in der Westschweiz bis hin zum renommierten Messgerätehersteller Tektronix, wo er 14 Jahre lang tätig war. In dieser Lebensphase gründete er auch seine Familie. Er wurde Vater zweier Söhne. Keiner von ihnen teilt jedoch seine Leidenschaft für den Modellbau.

 

Als zunehmende gesundheitliche Probleme ihn schliesslich zwangen, seine Anstellung bei Tektronix aufzugeben, stand Benetti an einem Wendepunkt. Trotz der Ungewissheit und der grossen Verantwortung für seine junge Familie bewies er Mut: Er wagte den Sprung in die Selbstständigkeit und machte sein Hobby zum Beruf.

 

 

Firmengründung

 

Im Jahr 1977 gründete Gino Benetti seine eigene Modellbaufirma, die er fortan hauptberuflich betrieb. Das erste Ladengeschäft öffnete seine Türen an der Baarerstrasse 57 in Zug, bevor die Firma später nach Cham an die Knonauerstrasse umgezogen ist.

 

Geschäft in Zug

 

Benetti hielt die offiziellen Ladenöffnungszeiten bewusst kurz, da sein Herzblut vor allem in der Werkstatt lag. Neben einem massgeschneiderten Bau- und Reparaturservice für Einzelkunden fertigte er dort die Teile für seine eigenen Flugmodelle. Für die Produktion seines grossen Erfolgsmodells Arieta mietete er sich sogar in den Räumlichkeiten der alten Spinnerei Aegeri ein. Der Laden entwickelte sich rasch zu einem lebendigen, lokalen Treffpunkt für Gleichgesinnte aus der gesamten Region. Es entstand ein reger, kreativer Austausch, unter anderem auch mit Ernst Maderthanner, einem Modellflugzeughersteller aus Bremgarten AG.

 

Als begnadeter Tüftler entwickelte und konstruierte Benetti zudem innovatives Zubehör und Hilfsmittel, aber auch Modelle im Auftrag für andere Geschäfte, bis er sein Unternehmen kurz nach der Jahrtausendwende schloss.

 

 

Flugmodelle

 

Arieta 2000

 

 

Das war DAS Erfolgsmodell von Gino. Er hat davon ca. 1’000 Stk. produziert. Hier gibt es mehr Infos zu diesem Modell.

 

 

ASW 19

 

Von diesem Modell wurden nur ein paar dutzend gefertigt. Auch bei diesem Flugzeug gab es pfiffige Lösungen. So wurde der Flächenverbinder im Rumpf in Silent-Blöcken gelagert. Das milderte die heftigsten Stösse beim Landen.

 

 

Futura Electric

 

Eine Entwicklung für die Firma Richair Walchwil, ein frühes Elektromodell: die Futura Electric mit einer Spannweite von 130cm. Das Flugzeug war bei Richair gedacht als Ergänzung zu deren grossen Segler, die im Absatz schwächelten. Das Modell wurde 1981 aufgelegt. Als Antrieb war ein Keller-Motor an 12 bis 14 Zellen vorgesehen.

Das Flugzeug wurde kein grosser Erfolg, es war schlicht zu früh auf dem Markt. Preis und Flugleistungen waren mit Verbrenner-Modellen damaliger Zeit einfach noch nicht konkurrenzfähig.

 

 

Flex

 

  

 

Die Idee zu dem Modell kam Gino beim Indoor-Fliegen, das damals aufkam. Und zwar stellte er fest, dass am Abend eines Indoor-Tages sehr viele Modell defekt oder zerstört waren. Das kann nicht sein, dachte er, und überlegte sich eine Lösung dafür. Und das war der Flex, inspiriert vom Drachenbau. Ein Modell, dass nicht gleich zerbricht, wenn man in eine Wand fliegt. Dieses raffinierte Modell kam im Markt gut an, Benetti hat ca. 600 Stück hergestellt und verkauft. Etwa 100 davon konnte er an die Firma Simprop liefern, diese nahm das Modell in ihr Vertriebsprogramm auf. Das war so um 2002/2003.

 

 

Slow-Flyer

 

Über dieses Modell erschien ein Artikel in «Modellflugsport 4/2001». Leider gibt es an dieser Stelle keine Fotos, ein Link zum Artikel existiert ebenso wenig. Das Modell verfügte über einen Rumpf aus einer Schwimmnudel, verstärkt mit einer Kartonröhre. Die Flügelstruktur bestand aus Hartschaumrippen, Carbon- und Glasstäben. Das Gerippe wurde mit einer Bespannung aus Noppenfolie überzogen. Gesteuert wurde es über eine Twist-Funktion der Tragflächen. Seiten- und Höhenleitwerk waren nicht angesteuert.

 

 

 

Clevere Werkzeuge & Zubehör

 

Servos

 

Schon sehr früh entwickelte Benetti zusammen mit einem Bekannten Servos für die Tip-Tip-Fernsteuerungen. Links im Bild die eigenen Entwicklungen. Rechts eine Bellamatic von Graupner, die wenig später auf den Markt kam. Diese Servos baute Benetti Jahrzehnte bevor er sein Geschäft eröffnete.

 

 

Bremsklappen

 

Das waren schon elektrische, proportionale Bremsklappen, ohne zusätzliches Servo, ca. aus den 1980er-, 1990er-Jahren. Die Industrie zog erst Jahrzehnte später nach, heute ist diese Bauweise schon fast Standard.

 

 

Querruderkupplung

Eine steckbare Verbindung der Querruderanschlüsse an ein zentrales Servo im Rumpf. Der Verbinder wurde direkt auf ein Linear-Servo geschraubt. Nicht so klobig wie die bekannteren Magnet-Kupplungen.

 

 

Scharnierboy

 

Ein hilfreiches Werkzeug zum einfachen und definierten Erstellen von Schlitzen für die Scharniere, speziell an den Querrudern. Das Set bestand aus einer kleinen Handsäge für den Schlitz und einer Metallschablone, die den korrekten Sitz und Winkel für den Schlitz vorgab.

 

 

Radbremse

 

Clever gemachte, nachrüstbare Radbremsen für Modellflugzeuge. Angesteuert über ein Servo, oft mit dem Höhenruderservo.

 

 

 

Quellen: G. Benetti, RC-Network, Modellflugsport

Letztmals redigiert: 31.8.2026 RB